Der Musikkritiker Joachim Kaiser, u.a. langjähriger Feuilleton-Chef der „Süddeutschen Zeitung“, ist am 11. Mai im Alter von 88 Jahren einer schweren Krankheit erlegen. Im öffentlichen Leben war er ähnlich bekannt wie Marcel Reich-Ranicki, äußerte sich aber nicht nur zu musikalischen Themen. Im Gegensatz zum Begründer des „Literarischen Quartetts“ war Kaiser von Anfang an ein „Mehrkämpfer“, der auch fundiertes zu Literatur und Theater zu sagen hatte.

Der im Dezember 1928 als Sohn eines ostpreußischen Landarztes geborene Kaiser studierte in Göttingen, Tübingen und Frankfurt am Main Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. Schon früh begegnete er Musikern wie Literaten: Leonard Bernstein, Günter Grass, Max Frisch und Artur Rubinstein. Von seinen frühen Nachkriegserlebnissen und Aktivitäten in der legendären Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ ganz zu schweigen.

Kaiser selbst sah sich als den „letzten Mohikaner“ seiner Zunft; jedenfalls gab er seinen bei Ullstein erschienenen und zusammen mit seiner Tochter Henriette verfassten Lebenserinnerungen diesen Titel. Als man ihn einmal fragte, warum es solche Titanen der Kulturkritik wie ihn nicht mehr gebe, vielleicht nie mehr geben könne, antwortete er: „Weil die jungen Menschen keinen Mut zum Pathos haben.“

Und wie wurde sein Stil beschrieben? Im Nachruf auf BR-Klassik schreibt Dorothea Hußlein: „Er war kein Kritiker, der den lustvollen Verriss pflegt. Sein Ton war immer voller Respekt für das Werk und seine Interpreten. Und wenn er kritisierte, dann in der Sache gnadenlos, aber in der Form eher ermahnend, ermunternd, fast entschuldigend.“

Author: Joachim Buch, Bauer & Hieber München

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